- True Brake-by-Wire: Die neue elektrohydraulische Bremsengeneration von AUMOVIO arbeitet vom Bremspedal bis zur Rückfallebene komplett elektronisch
- System nutzt neueste E/E-Fahrzeugarchitektur für kompaktere Bauweise, geringeres Gewicht bei höherer Performance und Energieeffizienz als bisherige One Box Systeme
- Erster Serienauftrag eines großen chinesischen Automobilherstellers, geplanter Produktionsbeginn ist Ende 2027
- Boris Mergell, Leiter des Geschäftsbereichs Safety and Motion bei AUMOVIO: „Das Distributed Brake System erweitert unsere Palette an Lösungen für die Herausforderungen der Mobilität der Zukunft noch einmal“
Kleinere Bremse, mehr Leistung: AUMOVIO stellt sein neues Bremssystem vor und erhält ersten Serienauftrag
Frankfurt am Main, 10. September. Das Technologieunternehmen AUMOVIO stellt mit dem Distributed Brake System die neueste Generation seiner elektrohydraulischen Bremsen vor, die mehr Performance bei kompakter Bauweise ermöglicht. Der erste Auftrag eines großen chinesischen Automobilherstellers liegt bereits vor, der Produktionsstart ist für Ende 2027 geplant. Die Distributed Brake basiert auf einer weiterentwickelten One Box Bremse, die mit einer Elektronischen Stabilitätskontrolle (ESC) kombiniert wird. Das System arbeitet vom Bremspedal bis zur Rückfallebene komplett elektronisch und nutzt die Möglichkeiten moderner Elektrik-/Elektronik- (E/E)-Architektur. Dadurch können die Aktuatoren kleiner und leichter ausgelegt werden. So wird wertvoller Bauraum frei – etwa für eine größere Hochvoltbatterie – und die Aktuatoren lassen sich flexibler im Fahrzeug platzieren. Gleichzeitig ist die Distributed Brake performanter als die bisherigen One Box Systeme, so dass sie sich für anspruchsvolle Anwendungen wie das hochautomatisierte Fahren besonders gut eignet.
Die Mobilität der Zukunft ist automatisiert, elektrisch und basiert immer mehr auf neuen Fahrzeugarchitekturen. Dieser Umbruch vollzieht sich nicht von heute auf morgen, sondern schrittweise. Mit unseren Lösungen von der elektrohydraulischen bis zur volltrockenen Bremse können unsere Kunden auf eine sehr breite Produktpalette zugreifen. Diese erweitern wir mit dem neuen Distributed Brake System noch einmal. Es gibt unseren Kunden noch mehr Flexibilität, Effizienz und eine starke Performance. Mit dem ersten Auftrag macht unser neues System einen wichtigen Schritt in Richtung Großproduktion.
Boris Mergell, Leiter des Geschäftsbereichs Safety and Motion bei AUMOVIO
Intelligente Redundanz: zwei Systeme, die als Einheit arbeiten
Ein zentraler Unterschied der Neuentwicklung: In den aktuellen One Box Bremssystemen für hochautomatisiertes Fahren (HAD) sind zwar zwei Bremsaktuatoren verbaut, allerdings wird während des Normalbetriebs nur einer davon genutzt. Der zweite Aktuator dient als Rückfallebene. Dagegen sind beim Distributed Brake System zwei Bremsaktuatoren permanent aktiv und erzeugen, wenn nötig, die Bremskraft zusammen. Jedes der beiden Bremssysteme ist so ausgelegt, dass es im Rückfall auch allein funktioniert. Daher können Distributed Brake Systeme kleiner, leichter und energieeffizienter als bisherige One Box Systeme ausgelegt werden. Durch das Zusammenspiel der Aktuatoren konnte AUMOVIO die Bremsperformanz im Vergleich zu Vorgängermodellen sowohl im normalen Fahrbetrieb als auch im Notfallmodus noch einmal steigern.
Ein wichtiger Grund: Während die meisten anderen Bremssysteme im Rückfallmodus auf zwei oder drei Räder wirken, greift das verteilte Bremssystem weiterhin auf alle vier Räder zu. Damit eignet sich das System besonders gut für das hochautomatisierte Fahren, wo es besonders auf Sicherheit bei einem elektrischen Ausfall ankommt. Distributed Brake Systeme können für automatisiertes Fahren bis zur SAE-Stufe 5 eingesetzt werden.
Moderne E/E-Architekturen ermöglichen Einsatz bei E-Fahrzeugen und vielen Verbrennern
AUMOVIO macht sich für das Distributed Brake System die E/E-Architektur in modernen Fahrzeugen zunutze. Sie umfasst mehrere Stromversorgungspunkte und redundante elektrische Netzwerke. Eine solche Architektur erfüllt die Anforderungen an Bremssysteme ohne hydraulische Rückfallebene, die mit einem redundanten System inklusive eigenem Stromkreis ausgestattet sein müssen. Da die Bremsbefehle des Fahrers elektrisch übertragen werden und keine hydraulische Rückfallvorrichtung mit mechanischem Fahrerdurchgriff erforderlich ist, können fast alle Bremssystemkomponenten – mit Ausnahme des elektronischen Bremspedals – frei im vorderen Teil des Fahrzeugs positioniert werden. Diese Flexibilität unterstützt neue Fahrzeugkonzepte und ermöglicht eine optimierte Nutzung des Einbauraums, beispielsweise durch den Einsatz größerer Batterien, die die Reichweite der Fahrzeuge erhöhen. Das Distributed Brake System eignet sich für viele unterschiedliche Fahrzeugtypen, da nicht nur reine Elektro- oder Hybridfahrzeuge, sondern auch viele neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mit solchen redundanten E/E-Architekturen ausgestattet sind.
Effizientes E-Pedal-Konzept dank Brake-by-Wire
Ohne mechanisch-hydraulische Kopplung zwischen Bremspedal und Bremssystem ergeben sich weitere positive Effekte für das Distributed Brake System. So kann der Luftspalt zwischen Bremsscheibe und Bremssattel vergrößert werden, da der Bremsdruck in der Rückfallebene elektronisch präziser und schneller als bislang aufgebaut wird. Durch dieses vergrößerte Luftspiel wird unerwünschte Reibung zwischen Bremsscheibe und Bremssattel reduziert.
Gleichzeitig kann ein einziges E-Pedal-Bremssystem für eine Vielzahl von Fahrzeugarchitekturen verwendet werden. Anstelle von leicht unterschiedlichen Optionen, z. B. für Links- oder Rechtslenker, Verbrennungsmotor oder Elektrofahrzeug, können alle Fahrzeuge mit derselben E-Pedal-Bremslösung ausgestattet werden. Das reduziert die Variantenvielfalt erheblich und trägt dazu bei, die Entwicklungs-, Fertigungs- und Logistikkosten für Zulieferer und Autohersteller zu senken.
Distributed Brake Systeme erweitern die Palette an Bremslösungen von AUMOVIO
AUMOVIO verfügt über 120 Jahre Erfahrung in der Fahrzeugsicherheit. Der letzte große Meilenstein im Bereich Bremse waren die bewährten elektrohydraulischen Drucksteller in den One Box Bremssystemen der MK C1 und 2 Serien, von denen seit der Markteinführung im Jahr 2016 über 15 Millionen Stück verkauft wurden. Dieses Know-how ist jetzt in das Konzept einer echten Brake-by-Wire-Anwendung eingeflossen, die die Stärken hydraulischer Bremsen mit einer elektromechanischen Bremsarchitektur kombiniert. Das Ergebnis ist eine Verbindung beider Welten: höhere Leistung und effizientere Nutzung von Ressourcen wie Energie, Einbauraum und Kosten in Bezug auf Entwicklung und Fertigung sowie über die gesamte Lebensdauer.
Christopher Schrecke
Mediensprecher Safety and Motion
+49 69 7603-61317